Andacht zum Lesen

von Pfarrer Andreas Nose

Wenn wir uns schon nicht physisch begegnen können, so können wir doch gemeinsam singen, summen, nachdenken und beten. Diese Andacht möchte dabei Hilfe sein.

Der Name das Sonntags „Rogate“ bedeutet „Betet!“

An diesem Sonntag hätten 23 Jugendliche unserer Kirchengemeinde ihre Konfirmation gefeiert. Die ist erst einmal verschoben. Noch feiern wir keine Gottesdienste.

Vielleicht finden Sie und Ihr unter den Beiträgen dieser Seite etwas, was Sie und Euch „fest macht“ und „stärkt“, denn das heißt „konfirmieren“ auf deutsch:

 

Friederike Seibert, Schülerin, 16 Jahre

Beten nenne ich das nicht, ich nenne das erzählen. Kurz vorm Einschlafen lass ich noch mal meine Gedanken schweifen. Ich lasse jemanden teilhaben an meinem Leben. Es ist ähnlich wie Tagebuchschreiben. Aber da ist jemand, dem ich es erzähle, also Gott. Ich erzähl es ihm wie einer anderen Person.

Dieses Erzählen kenne ich seit meinem 14. Lebensjahr, seit ich mehr über mich nachdenke. Vorher hab ich nicht gebetet. Eine Freundin hat mir davon erzählt. Erst kam es mir exotisch vor, dann hat es mich angeregt, das selber einfach mal auszuprobieren.

Oft werde ich als Zuhörerin angefragt und soll einen Rat geben. Da muss ich dann aber auch Kritik einstecken. Es kommt vor, dass mir die Schuld gegeben wird, wenn etwas schief läuft. Dann hilft mir das Gebet.

Durch das Erzählen lässt das Aufbrausende in mir nach. Ich beruhige mich, frage mich, ob der andere vielleicht doch Recht hat. Ich kann den Konflikt besser einordnen. Es führt dazu, dass ich mit mir klarkomme. Ich hab einfach jemanden, der zuhört.

Ich erzähle auch schöne Sachen. Zum Beispiel wenn ich in einem Fach besser bin als meine Freundin, in dem eigentlich sie der Freak ist. Das brauch ich besonders, wenn ich total niedergeschlagen bin. Dann kommen mir Bilder von tollen Momenten, die mich wieder aufbauen. Woher sie kommen, das weiß ich nicht. Es könnten Bilder von Gott sein, dir mir Lebensmut geben sollen.

Das Beten ist eine Lebenseinstellung von mir. Viele orientieren sich nur daran, was gerade in oder out ist. Ich schwimme gerne gegen den Strom. Das hat mich wohl zum Beten gebracht. Es ist etwas, womit man sich nicht lange theoretisch auseinandersetzt, sondern was man einfach macht. Es ist einfach da.

Chrismon / 11 / 2005

 

 

Mit Gott Kontakt aufnehmen – Gottkontakt

Zweimal im Jahr schickt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau an ihre Mitglieder Post. Die letzte „Impulspost“ wurde zur Karwoche versandt. Das schon zuvor ausgewählte Thema wurde ergänzt im Blick auf die Corona-Epidemie („Beten in Corona-Zeiten“)

Auf der Internet-Seite finden Sie ermutigende Geschichten, wie Menschen ihren Gottkontakt erleben und gestalten. Dazu zahlreiche Gebetsvorschläge, interessante Artikel, praktische Anregungen und Ideen zum Mit- und Nachmachen.

 

Eine Predigt

1.

Wir – meine Frau und ich – hatten einen sehr schönen Abend verbracht mit einem befreundeten, alten Ehepaar. Es war spät geworden und Zeit, ins Bett zu gehen. Da holten die beiden ihre wie selbstverständlich ihre Gebetbücher, schlugen sie uns an einer bestimmten Stelle auf und beteten mit uns abwechselnd einen Psalm und denn einen Abendsegen.

Überraschend war das für uns. Ich habe mich gefragt, ob ich selbst mich das trauen würde mit Gästen, die zu uns kommen und habe es seitdem – leider – nur ein oder zweimal so getan. Dabei war es ein schöner Moment. Was uns im Gespräch über Gott und die Welt und auch Persönliches umgetrieben hatte, kam zur Ruhe. Das Gebet hat uns daran erinnert: Gott ist da. Und das war gut.

 

2.

Ich habe das Gefühl, dass uns das Beten heute schwer fällt. Mir selbst fällt es nicht leicht. Manchmal rede ich mich damit heraus, dass ich ja immer wieder einmal an Gott denke … beim Autofahren, vor dem Einschlafen … dabei weiß ich, dass da mehr drinsteckt, es sehr viel mehr, zu lernen, zu erfahren, zu entdecken gibt – und dass sich vieles verändert, wenn ich bete.

Viele Menschen sind heute durch die hohen Anforderungen ihres Berufsalltags oder auch der Familie stark beansprucht.  In der verbleibenden, freien Zeit, der so knappen, umkämpften Zeit für mich selbst, fällt es oft schwer, noch etwas anzugehen, was den Anschein von Anstrengung, Konzentration, Übung an sich hat.

Aber die Anforderungen in Schule, Beruf oder Familie, die zunehmende Schnelllebigkeit unserer Zeit allein kann es nicht sein. In einem Kurs in der Stadtkirchenarbeit erzählte eine Frau im Austausch der Gruppe: „Ich muss in diesen Wochen nicht arbeiten. Ich habe den ganzen Tag frei. Und trotzdem fällt es mir schwer, oder schaffe ich es nicht, die verabredeten 20 min für Stille und Gebet einzuhalten.

Und auf der anderen Seite ist da eine ganz große Sehnsucht – dass sich in aller Hektik einmal ein Ort der Ruhe findet, dass bei aller Fremdbestimmung meines Lebens ich einmal auch zu mir selbst komme, dass ich aus Einsamkeit heraus in ein Gespräch finde …

Ich bin sicher, dass diese Sehnsucht – manchmal vielleicht verschüttet – in fast jedem Menschen lebt: dass da ein Gott ist, der mich hört.

 

3.

Erich Kästner erzählt die Geschichte vom Doppelten Lottchen. Die Zwillinge sind getrennt von ihren Eltern, die haben sich scheiden lassen und leben an verschiedenen Orten, jeder mit einem der Zwillinge. Es gibt eine Verwechselungsszene, die Eltern sind wieder zusammengekommen, sind in einem Zimmer, sprechen miteinander und überlegen, ob sie zusammen bleiben können. Die beiden Mädchen sind vor dem Zimmer und eine sagt zur anderen: Jetzt müsste man eigentlich beten können. Es fällt ihnen aber kein Gebet mehr ein, außer – und das sprechen sie dort: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“

Die beiden wussten – nicht mehr ganz, aber noch ein wenig – von dieser schönen Sprache des Gebetes, die uns Menschen eigentlich zur Verfügung stehen sollte; weil wir sie brauchen.

Inger Hermann hat einige Jahre an drei Stuttgarter Förderschulen Religionsunterricht gegeben. Über ihre Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen in der Schule hat sie ein sehr anrührendes Buch geschrieben. Ab und zu musste ich das Buch weglegen, weil die Schicksale der Kinder, die sie schildert, geprägt von Gewalt und sexuellem Missbrauch in ihren Familien in der Brutalität manchmal nicht mehr auszuhalten waren.

Von einer Stunde erzählt sie, in der sie vollständig scheitert. Einer der Jungen, Jose, stört immer wieder und lässt sich auf keine Weise zur Ruhe bringen. Die Stunde endet im Chaos. Als es klingelt und Inger Hermann – am Ende ihrer Kraft – sagt: „Ihr könnt gehen“, fragen die Kinder nach dem Ritual, das sonst immer die Stunde beschließt: „Heute kein Segen?“

„Nein jetzt nicht, ich kann nicht!“

„Sie haben aber gesagt, beten kann man immer, sogar beim Autofahren“, erinnert eine Schülerin.

„Trotzdem, ich kann jetzt nicht. – Ich sag den Segen heute Abend für euch.“

„Für mich auch?“

„Ja.“

„Für mich auch?“

„Für dich auch?“

„Und für mich?“

„Ja, ich denke an jeden Einzelnen von euch.“

Sie gehen. Ich sitze – erzählt Inger Herman weiter – mit Jose in der Verwüstung am Boden. Ein Chaos.

„Ich will auch in die Pause.“

„Ich weiß, aber jetzt müssen wir hier aufräumen.“

„Okay.“

Ich lasse ihn los. Er hebt zwei Bücher auf und – wutsch ist er zur Tür hinaus … Erschöpft und traurig räume ich die Bücher und Kreiden weg, auch die Stühle muss ich heute allein hochstellen.

Schulschluss. Ich strebe dem Parkhaus zu. Da kommt Jose hinter mir her gerannt: „Warten sie doch!“

Ich warte.

„Tun sie`s für mich auch?“

„Was soll ich tun?“

„Sie wissen schon – heute abend.“

„Den Segen? Für dich soll ich auch den Segen sagen?“

Er nickt heftig, dreht sich um und läuft johlend zu den anderen zurück.

Einige Wochen später erzählt er uns, dass seine Familie in ihre Heimat nach Spanien zurückkehrt. Er freut sich nicht, ist still und bedrückt.

Wir üben den Psalm 23. Jose, trotz seiner Rappel, hatte ihn als erster auswendig gekonnt.

„Willst du ihn noch mal sagen?“

Jose will: „Der Herr ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln,

er weidet mich auf einer grünen Aue,

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquickt meine Seele

und führt mich auf rechter Straße …“

„Wenn du in deinem Land bist, und wir sprechen diesen Psalm, dann können wir ganz fest an dich denken.“

„Tut ihr das dann auch wirklich?“

„Ja, das tun wir dann wirklich.“

Das war vor eineinhalb Jahren. Aus der dritten ist eine fünfte Klasse geworden und aus dem 23. Psalm, der „Jose-Psalm“. Immer wieder schlägt eines der Kinder vor, den „Jose-Psalm“ zu sprechen. Neue Schüler wundern sich. Dann erzählen wir ihnen von Jose, wie schlimm er war, was er alles angestellt hat – und es klingt meist sehr liebevoll.

Neulich musste Petra ins Krankenhaus. Sie hat Angst.

„Sagt ihr für mich auch einen Psalm?“

„Sollen wir miteinander überlegen, welchen?“

Neben dem 23. können wir inzwischen den 139. und den 91. Psalm auswendig.

 

„Gott beschirmt dich mit seinen Flügeln,

unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, …

dir begegnet kein Unheil

kein Unglück naht deinem Zelt,

Denn Gott hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

 

Ich denke an die völlig daneben gegangene Stunde vor eineinhalb Jahren, an meine pädagogische und menschliche Niederlage, am Boden sitzend im Chaos, nicht mehr fähig und bereit, den Schlusssegen zu sprechen.

Ohne diese Niederlage hätten sechzehn Kinder nicht von der Möglichkeit und der Kraft der Fürbitte erfahren. Jose, der Unbändige, Jose, der Schlimme, ihm danken wir es.

Als Inger Hermann einen Titel für ihr Buch suchte, hat sie den Ausspruch eines dieser Kinder gewählt. Das Buch heißt: „Halts Maul, jetzt kommt der Segen!“

 

4.

Ein Ruf zur Aufmerksamkeit für das, was jetzt geschieht.

Paulus schreibt an die Kolosser: „Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!

Der Ruf zur Wachsamkeit ist in den Briefen des Neuen Testaments eine ganz typische immer wiederkehrende Aufforderung. Ursprünglich verbunden mit dem Ausblick auf die Wiederkunft Christi hat sie sich davon schon gelöst. „Seid wachsam!“ – das ist inzwischen Ausdruck geworden für ein bewusstes christliches Leben. Ich finde es eine sehr schöne Entwicklung. Ich verstehe sie so: Mit dem Kommen Christi in meinen eigenen Alltag darf ich jeden Tag und jeder Zeit rechnen. Mit seiner Gegenwart in unserer Welt darf ich rechnen. Beten heißt, aufmerksam zu sein für ihn in meiner, in unserer Welt.

„Betet für uns, dass Gott uns eine Tür auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können!“ Wir kennen – viele von uns leben – mit diesem Bild, das Paulus – hier im Blick auf den Fortgang der Verkündigung – gebraucht: Wo tut sich uns eine Tür auf? Wann ist Zeit zu reden oder zu schweigen, zu handeln oder abzuwarten, für einen Menschen da zu sein oder selbst sich Hilfe zu suchen, „zu arbeiten, als ob alles Beten nichts hilft“ oder „zu beten, als ob all unser Tun zu nichts nutze ist“.

Das Doppelgebot der Liebe als Zusammenfassung und Erfüllung aller Gebote ist dreifach gerichtet – das gehört untrennbar zusammen: auf Gott, meinen Nächsten und mich selbst.

Genau das Gleiche scheint mir für das Beten zu gelten als Wachsamkeit, als Aufmerksamkeit meiner Seele und meiner Sinne – für Gott, für den anderen Menschen genauso wie für mich selbst.

In einer nicht ganz einfachen Lebenssituation wird ein Seelsorger gefragt, was denn hier der Wille Gottes sein könnte. Er fragt zurück: Was wünschen Sie sich denn?

Mir scheint, das hängt sehr eng zusammen – die Aufmerksamkeit für mich selbst und alles, was sich in mir regt, für einen Menschen, den Gott doch selbst geschaffen, für ein Leben, das er geschenkt hat – und die Wachheit für Gott und natürlich auch den anderen Menschen.

Das Gebet kann ein wichtiger Rückzugsort aus dem Getümmel der Welt sein – aber nicht, um mich auf Dauer abzusondern, sondern um  wach zu bleiben für Gott in der Welt, im anderen, in mir.

Eines Tages – so erzählt eine jüdische Geschichte – kam der Rabbi von Krakau in das Zimmer, wo sein Sohn in tiefem Gebet versunken war. In der Ecke stand eine Wiege mit einem weinenden Kind. „Hörst du nicht, dass dein Kind weint?“ Da sagt der Sohn: „Vater, ich war in Gott versunken.“ Der Vater antwortet: „Wer in Gott versunken ist, sieht sogar die Fliege, die auf der Wand kriecht.“

Die Berufsberaterin Ute Glaubitz weist in ihrem Buch „Generation Praktikum“ auf ein großes Problem bei der Berufswahl junger Menschen hin: Das Problem sei gar nicht immer der schwierige Arbeitsmarkt oder der Schulabschluss, sondern häufig die Unfähigkeit junger Menschen zu sagen, was sie eigentlich wollen, was in ihnen steckt, was sie können, wofür ihr Herz schlägt, wo es sie hinzieht …

Ute Glaubitz: „Die Leute sollten sich viel mehr Zeit nehmen, in sich hineinzuhorchen … um sich selbst kennen zu lernen und eigene Entscheidungen zu treffen … um – ich fand das ein sehr schönes Wort – „im eigentlichen Leben anzukommen“.

Die Ruhe des Gebets hilft uns, in unserem eigenen Leben anzukommen. Es schützt uns vor der Gefahr, wie ein Hamster im Laufrad rennend mit unserem Leben doch immer nur auf der Stelle zu treten – oder wie eine Elster auf alles zu fliegen, was ein bisschen glänzt – und unsere wahren, unsere echten Bedürfnisse ständig zu übergehen.

„Halt´s Maul, jetzt kommt der Segen!“ Das hat ein Kind gesagt, um in der Klasse Ruhe zu schaffen für das, was ihm wirklich wichtig ist. Es hat damit auch eine andere Wahrheit ausgesprochen: Auch im Gebet kann ich mal die Klappe halten und still werden – und darauf achten, was sich in mir regt und ordnet, was wach wird an Gedanken, welche Ideen mir Gott schenkt oder wie einfach etwas in mir zur Ruhe kommt …

 

5.

Zum Schluss noch ein paar wenige praktische Hinweise:

Vom Beten beim Autofahren war schon die Rede. Was macht jemand, der keinen Führerschein hat? Und: Gibt es ein Art zu Beten, die weniger Benzin verbraucht?

Unser Gesangbuch hat im hinteren Teil sehr schöne Gebete für morgens, mittags und abend. Ich liebe sehr – trotz ihrer alten Sprache – Luthers Morgen- und Abendsegen, die auch abgedruckt sind. Ich kann solch ein Gebet lesen, sprechen, einen Moment still sein und anfügen, was ich selbst sagen möchte.

Die Psalmen, die wir am Anfang unseres Gottesdienstes gemeinsam sprechen, sind Gebete, in denen ich mich mit meinen Empfindungen und Erlebnissen wieder finden kann – und was mir erst einmal fremd ist, öffnet mir manchmal überraschende Einblicke. In Auswahl finde ich sie hinten im Gesangbuch – und alle natürlich in der Bibel.

Ein schöner Brauch ist es, eine Kerze anzuzünden, an einen Menschen zu denken, ein Anliegen, ein Wunsch, eine Bitte – und vielleicht ein kurzes Gebet zu sprechen.

Ich gehe ab und zu morgens eine Runde spazieren, weil ich dort besser zur Ruhe komme als zu Hause, ich spreche manchmal nur ein kurzes Gebet, merke, wie Stille auch schwer sein kann, weil auch dunkle Gedanken mich bedrängen und hartnäckig festsetzen wollen. Ich versuche, sie kommen aber auch wieder gehen zu lassen und mich mit allem Gott anzubefehlen.

Im Einklang mit dem Atem kann man beten. In Verbindung mit einem Wort, das ich mir aussuche: Mit dem Einatmen sage ich in Gedanken: „Mein“ mit dem Ausatmen: „Gott“ oder „Jesus Christus – erbarme dich!“ Das wiederhole ich einige Minuten lang.

Manche Menschen haben sich in ihrem Zimmer eine Ecke gestaltet. Da steht eine Kerze oder es hängt ein Bild oder ein Spruch dort oder eine Ikone. In manchen Gegenden nennt man das den Gotteswinkel.

Einem Bekannten ist es über den Kopf gewachsen, er findet keine Zeit mehr, für alle Menschen zu beten, die ihm am Herzen liegen. Er schreibt einen Namen auf einen Zettel und legt ihn dorthin, vor eine Kerze oder eine Ikone und befiehlt sie damit der Fürsorge Gottes an.

 

6.

Martin Luther war ein manchmal laut und ein derb polternder Zeitgenosse, aber auch er hat von der „Ruhe“ des Gebets gelebt. „Wenn ich mehr noch als sonst zu arbeiten habe“, sagte er, „dann brauche ich um so mehr Zeit für das Gebet.“

Luther ist auch ein wunderbares Beispiel für die Freiheit, für den Mut, ja manchmal die Frechheit eines Gott vertrauenden Gebetes:

So berichtet Luther in einer seiner Tischreden vom Gebet für seinen Freund und Mitarbeiter: „ Da Magister Philipp Melanchthon todkrank lag, habe ich im Gebet um ihn gerungen und hab’ gedrohet, wenn er sterben würde, würde ich unserm Herrgott den Sack vor die Füße werfen.«

Rogate! Betet! Es geht wirklich nicht um eine Pflichterfüllung, sondern darum, den Schatz zu entdecken, der im Gebet verborgen liegt: dass ich, dass wir, einen Ort und eine Zeit haben, in der uns aussprechen und schweigen dürfen und spüren, dass Gott für uns da ist.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

Pfr. Andreas Nose ( 2012)

 

 

Psalm 95, 1-7a

1 Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unsres Heils!

2 Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

3 Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

4 Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

5 Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

6 Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

7 Denn er ist unser Gott

 

Gebet

Du Gott hörst unsere Gebete.
Was wir aussprechen – es geht dir nicht verloren.
Wofür uns die Worte fehlen – du weißt davon.
In Not und Freude,
in kleinen Dingen
und großen Fragen
schenkst du uns dein Ohr –
im Namen Jesu, der uns beten lehrt.

 

Vater Unser

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

 

Aretha Franklin, Say a litte prayer

Ein Liebeslied. Aretha Franklin betet beim Aufwachen, am Schminktisch, wenn sie sich die Haare macht und überlegt, was sie heute anzieht, beim Busfahren und in der Kaffeepause … sie denkt an den Mann, den sie liebt – und macht ein kleines Gebet daraus.

 

Ihr Pfarrer Andreas Nose

 

Weitere Andachten zum Nachlesen oder Nachhören finden Sie hier:

Die Andacht zum Hören, vom 10.05.2020, Kantate, finden Sie hier

Die Andacht zum Lesen, vom 03.05.2020, Jubliate, finden Sie hier

Die Andacht zum Lesen, vom 26.04.2020, Miserikordias Domini, finden Sie hier

Die Andacht zum Hören, vom 19.04.2020, dem 1. Sonntag nach Ostern, „Gottes Handschrift in meinem Leben“, finden Sie hier

Die Andacht zum Ostermontag zum Mitmachen für die ganze Familie „Wo zwei oder drei in einem Namen versammelt sind“ vom 13.04.2020 finden Sie hier

Die Andacht zum Lese und Beten Ostersonntag,vom 12.04.2020 finden Sie hier

Den Ostergruß zum Hören vom 12.04.2020 „Der Herr ist auferstanden“ finden Sie hier

Die Andacht zum Karsamstag vom 11.04.2020 finden Sie hier

Die Andacht zum Hören von Karfreitag vom 10.04.2020 „Im Dunkel unsrer Nacht“ finden Sie hier

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